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Der See, das Salz & der Wein


Magazin
30. September 2021
Johannes Stühlinger
Lesezeit: 4 Minuten

Der Neusiedlersee sorgt nicht nur als gigantischer Wärmespeicher für ein Mikroklima, welches für die gesamte Region und Vegetation so prägend ist. Die Permanentwinde um den See und der Salzgehalt desselben verleihen den umliegenden Weinreben besondere Charakteristika, die man im abgefüllten Wein dann auch durchaus erschmecken kann …

Mit Unterstützung von Bund, Land und Europäischer Union.

Wenn Weinfans untereinander edle Tropfen besprechen, kann das für Außenstehende mitunter ungewöhnlich klingen. Nach Cassis und roten Früchten schmeckt schnell einmal ein Roter. Nach Apfel, Zitrus und Holunderblüten bald ein Weißer. Und sowohl Weiß- als auch Rotwein können – trara – salzig sein. Tatsächlich kommen leichte Salznoten in gewissen Regionen besonders oft vor; gerne wird hiermit auch ein gewisser Grad der Mineralik im Wein beschrieben. Stellt sich allerdings die Frage: Wie bitte kommt Salz in eine süße Frucht? In der Region rund um den Neusiedlersee ist ein Teil der Antwort für alle sichtbar, wenn man es weiß: Der See macht’s! Aber dazu etwas später.

Der Neusiedlersee ist einzigartig. Sein außergewöhnliches Mikroklima macht die gesamte Weinregion – allen voran jedoch seine besonders herkunftstypischen Neusiedlersee DAC-Weine – zu einem Anbaugebiet mit ganz besonderen Eigenschaften. Geografisch betrachtet liegt er im Herzen der pannonischen Klimazone. Für diese sind heiße, trockene Sommer mit moderaten Niederschlägen und kalte, schneearme Winter typisch.

Neusiedlersee
Die Region rund um den bekannten Neusiedlersee gilt nicht nur als Hotspot für Touristen, sondern eben auch für Weinliebhaber.

Der Neusiedlersee als Wein-Naturwunder

Seinen Einfluss auf Natur und Vegetation zeigt der Neusiedlersee vor allem im Sommer. In diesen warmen Monaten speichert er auf seiner insgesamt 320 Quadratkilometern großen Wasseroberfläche die heißen Tagestemperaturen. Er wird also zu einem gigantischen Wärmespeicher, der, wenn die Sonne hinter dem Schneeberg in der Ferne untergeht, die Lufttemperatur großzügig und gekühlt an seine Umgebung abgibt. Die in der Region vorherrschenden Permanentwinde aus Nord-West – mal sanfter, mal stürmischer – verteilen diese sanft gekühlten Luftströme in die pannonische Tiefebene bis weit ins ungarische Nachbarland hinein.

Durch diesen einzigartigen Abkühlprozess können in den Weintrauben über die gesamte Reifeperiode ganz besondere Frucht-Säure-Balancen gebildet werden. Diesen Geschmacksnuancen widmen sich nach der Weinlese alljährlich die vielen preisgekrönten Winzer*innen mit Bedacht, Wissen und Leidenschaft. Sie kennen die Besonderheit, die so in den Wein gelangen kann, wenn man sein Handwerk beherrscht.

Der nahe Neusiedlersee lässt die Zweigelt-Trauben besser gedeihen, als irgendwo anders.
Der See sorgt somit für den besonderen Geschmack der herkunftstypischen Neusiedlersee DAC Weine.

Doch die gigantische Wärmebatterie wirkt auch langfristig – und zwar bis in den Herbst hinein. Wenn die Außentemperaturen zu fallen beginnen, gibt der See seine gesamte Wärme langsam wieder ab, jeden Tag ein bisschen davon über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Das führt dazu, dass die bodennahen Luftschichten an seinen Ufern einfach weniger stark und rasch abkühlen als im restlichen Burgenland – sanfter eben.

Ein Effekt, der in der Regel bis in den Oktober anhält. Und so den Reben, aber auch allen anderen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen der Gegend, einen besonders langen Spätsommer bereitet. Dies ermöglicht den Reben etwa kurz vor ihrer jeweiligen Lese noch ein außergewöhnliches Reifefinale. Hier entsteht ein Großteil der Ausgewogenheit zwischen Fruchtigkeit und Würze, die die Weine dieser Region so einzigartig, so bekömmlich macht – allen voran die besonders herkunftstypischen Neusiedlersee DAC Zweigelt.

Ein Pilz, der Süßweinwinzer*innen glücklich macht

Diese Wärmespende des Sees und die erhöhte Luftfeuchtigkeit an seinen Ufern hat jedoch noch einen weiteren Effekt: Sie lassen einen besonderen Edelpilz fast ganz einzigartig gedeihen, die sogenannte Botrytis cinerea. Wenn gegen Ende September und im Oktober die feuchte Luft in Form von Bodennebel die Reben umfängt, werden die noch nicht gelesenen Trauben von der gern als „Edelfäule“ bezeichneten Botrytis cinerea befallen. Ein Phänomen, das es weltweit nur an ganz wenigen Orten gibt.

Wenn die Botrytis die Weintrauben befällt, wird ihnen das Wasser entzogen. So werden die Beeren auf natürliche Weise süßer.

Was die Botrytis so speziell macht, ist, dass sie im Zusammenspiel mit einigen anderen Faktoren dazu führt, dass die Trauben fein perforiert werden. Infolgedessen verdunstet ein Teil der in den Trauben sonst gefangenen Feuchtigkeit. Und das führt – vereinfacht ausgedrückt – dazu, dass die Traube auf dem Rebstock schon die Vorstufe einer Rosine erreicht. Das heißt, dass sich der Geschmack der Traube schlussendlich auf weniger Flüssigkeit verteilt und so Süße entwickelt. Wenn man diese Trauben schließlich spät im Herbst erntet und aus ihnen Wein keltert, ist dieser eben um ein Vielfaches süßer. Süßweine in hoher Qualität – wie etwa Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen – kann man im Grunde bloß auf diese Weise erzeugen. Als Süßweinregionen von Weltformat gelten hierbei nicht zuletzt Sauternes (Bordeaux), Tokaj (Ungarn) und der Neusiedlersee (Seewinkel und Rust).

Das Salz im Wein zur Gaumenfreude aller

Salznoten sind in diesen Dessertweinen freilich aufgrund der hohen natürlichen Süße kaum mehr zu erschmecken. Sehr wohl aber im Liebkind der regionalen Winzer*innen sowie in- und ausländischen Weinfans: dem besonders herkunftstypischen Neusiedlersee DAC Zweigelt. Der Grund dafür liegt buchstäblich vor unseren Augen: Nicht nur, dass unter dem Neusiedlersee Europas größte Mineralwasservorkommen lagern, auch das Seewasser selbst hat einen natürlichen, überdurchschnittlich hohen Salzgehalt, welcher oberirdisch durch die Permanentwinde weitergetragen wird. Die unterirdischen salzig-mineralischen Wasservorkommen treten aufgrund von tektonischen Bruchlinien und unter natürlichem Druck selbstständig in Form kleinerer und größerer Salz- und Sodalacken an die Oberfläche; vor allem im Nationalparkgebiet, einer natürlichen, landschaftlichen Senke.

Neusiedlersee
Rückstände der ausgetrockneten Salzlacken werden durch Permanentwinde in das Landesinnere geweht. Dort wiederum werden sie quasi als Dünger von den heranwachsenden Trauben aufgenommen.

Und nun beginnt im Sommer – also während der Reifeperiode der Reben – ein spannender Prozess: Durch die Hitze trocknen die Salzlacken immer wieder aus. Was bleibt, sind salzige Rückstände, die wiederum von den hier vorherrschenden Nordwestwinden aufgewirbelt und weitergetragen werden. Hinein in das Land. In die Weingärten. Hier wird das Salz dann von Boden und Reben aufgenommen. In so kleiner Dosierung, dass es den Pflanzen als Dünger dient. Aber in ausreichender Menge, dass es Weinliebhaber*innen in den edlen Tropfen, die aus den Trauben dieser Weinreben gekeltert werden, erschmecken können. Und so macht das Salz genau das, was es soll: den Geschmack des Weins natürlich perfektionieren. Insbesondere jenen der hier gedeihenden und besonders herkunftstypischen Neusiedlersee DAC Weinen, welche von den regionalen Winzer*innen beim Rotwein aus Österreichs Rebsorte Nummer eins, dem Zweigelt, sowie den einzigartigen Süßweinen gekeltert werden.

NEUSIEDLERSEE DAC. Der See und sein Wein.

Wie das Mikroklima des Neusiedlersees die gesamte Region und Vegetation prägt und in Kombination mit den Permanentwinden um den See umliegenden Weinreben besondere Charakteristika verleiht, verdeutlicht dieser Clip. Einfach PLAY klicken!

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Neusiedlersee DAC.
Einzigartiger Zweigelt. Einzigartige Süßweine.
Von der Sonnenseite Österreichs. Zur Gaumenfreude aller.

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