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Wie Winzer:innen die Landschaft prägen


Magazin
15. September 2025
Johannes Stühlinger
Lesezeit: 6 Minuten

Auf den ersten Blick sind Winzer:innen für das Keltern edler Tropfen zuständig. Doch wenn man genauer hinsieht, sind sie in Wahrheit die Hüter:innen der Biodiversität und aktive Klimaschützer:innen. Das wird vor allem in der Herkunftsregion Neusiedlersee DAC offensichtlich.

Mit Unterstützung von Bund, Land und Europäischer Union.

Wenn Johannes Ehrenfeldner über Wein spricht, geht es selten um Aromen oder Ausbauweisen. Denn Ehrenfeldner ist Direktor des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel und hat somit von Natur aus einen anderen Blick auf das, was die Winzer:innen des Neusiedlersee DAC vor seiner Haustüre so treiben. Und so betrachtet er stattdessen eher die Landschaft rund um die Reben – und die Rolle der Winzer:innen als deren stillschweigende Architekt:innen, die eine alte Kulturlandschaft hegen und pflegen. „Einige von ihnen sind längst zu wahren Landschaftsgärtner:innen geworden, auch wenn sie das selbst vielleicht gar nicht so nennen würden“, sagt Ehrenfeldner, „denn wer naturnah arbeitet, gestaltet nicht nur seinen Weingarten, sondern die gesamte Kulturlandschaft.“

Als Direktor des Nationalpark Neusiedler See – Ssewinkel hat Johannes Ehrenfeldner einen besonderen Blick auf den Weinbau.

Begrünung statt blankem Boden

Ein Paradebeispiel sind für Ehrenfeldner jene Winzer:innen aus der Region, die zwischen den Rebzeilen gezielt Begrünung stehen lassen – nicht nur als hübsches Beiwerk, sondern als bewusstes Instrument für mehr Biodiversität und Bodenschutz. „Diese Wiesenflächen werden nicht einfach gemäht; es wird vielmehr die Vegetation gewalzt und so in den Boden eingearbeitet. Das reduziert die Verdunstung, speichert Wasser im Boden und schafft Lebensraum für viele unterschiedliche Insekten“, erklärt Ehrenfeldner. Wer den Finger unter dieses „Grasdach“ steckt, spürt den Effekt sofort: „Es ist dort bis zu fünf Grad kühler.“

Wenn Winzer:innen wissenschaftlich fundiert belegen können, dass ihre Böden CO₂ speichern, könnten sie künftig sogar CO2-Zertifikate verkaufen!

Das ist nicht nur ökologisch klug, sondern auch ökonomisch. Denn während manche Winzer:innen noch fürchten, dass die Begrünung den Reben Wasser wegnimmt, zeigt die Praxis ein anderes Bild: „Die Wurzeln der Reben reichen tief, die der Begleitvegetation sind nur oberflächlich.“ Sie nähren sich also aus ganz anderen Wasserschichten. Was aber entscheidend ist: „Ohne Begrünung trocknet der Oberboden viel schneller aus.“

Humus als Schatzkammer

Doch die daraus resultierenden Vorteile reichen weit über einen sparsamen Wasserverbrauch hinaus. Natürlich begrünte Weingärten fördern den Humusaufbau, binden Nährstoffe und schaffen organische Substanz – den wohl nachhaltigsten Dünger. „Man hat damit ein unglaublich fruchtbares System, das durch Mikroorganismen und Niederschläge die Nährstoffe wieder in den Boden einbringt“, so Ehrenfeldner. Gleichzeitig wirkt die Methode als natürlicher Erosionsschutz – ein Vorteil, gerade in der windreichen Herkunftsregion Neusiedlersee DAC.

Winzer als Landschaftsgärtner
Wenn die Natur zwischen den Rebzeilen blühen kann …
Winzer als Landschaftsarchitekten
… freuen sich erst die Wildtiere – und dann die Winzer:innen selbst.

Und sie hat eine noch größere Dimension: den Klimaschutz. Wer Humus aufbaut, speichert Kohlenstoff im Boden – sogenanntes „Carbon Capture“. In Brüssel wie auch in der Fachwelt spricht man zunehmend von Carbon Farming, also landwirtschaftlichen Methoden, die gezielt CO₂ binden. „Da geht gerade die Post ab“, sagt Ehrenfeldner und formuliert eine spannende Vision: „Wenn Winzer:innen wissenschaftlich fundiert belegen können, dass ihre Böden CO₂ speichern, könnten sie künftig sogar CO2-Zertifikate verkaufen.“

Bäume, Sträucher und Schatten

Doch Biodiversität endet nicht am Boden. Immer mehr Weinbäuerinnen und Weinbauern der Region Neusiedlersee DAC setzen wieder Bäume und Sträucher in ihre Weingärten. Bäume werden immer weniger als Hindernis für moderne Lesemaschinen gesehen. Man verzichtet gerne auf ein paar Rebstöcke, um hier einen Schattenspender zu haben. Ehrenfeldner sieht klare Vorteile sowohl für Winzer:innen als auch die Natur: „Das erinnert an alte Strukturen, die wir früher hatten: Obstbäume zwischen den Reben, Blühstreifen. So wird nicht nur Lebensraum für Vögel, Bienen und andere Nützlinge geschaffen, sondern Schatten gespendet – ein Aspekt, der mit heißer werdenden Sommern zunehmend wichtiger wird.“

Winzer als Landschaftsarchitekten
Feinster Humus ist für die Bindung von CO2 hoch relevant. Und für die Gesundheit der Reben ebenso.

Inspiration statt Dogma

Ehrenfeldner sieht eine eindeutige Trendwende: „Viele in der Region beginnen umzudenken – nicht aus Zwang, sondern aus Einsicht. Denn sie sehen, dass es ihnen langfristig zugutekommt.“

Der Direktor des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel betont dabei, dass es nicht um Vorschriften oder Dogmen gehe, sondern um Inspiration. „Es gibt bereits viele Betriebe, die Biodiversität und Weinbau auf beeindruckende Weise verbinden. Wenn man diese Geschichten erzählt, erkennen auch andere, dass es möglich ist – und dass man damit nicht nur gute Weine macht, sondern auch Landschaften und Biodiversität erhält.“

Winzer:innen als Hüter:innen der Kulturlandschaft

Dass Winzer:innen damit weit mehr tun, als Trauben zu keltern, liegt für Ehrenfeldner auf der Hand: „Sie kultivieren eine Landschaft, die Lebensraum für unzählige Arten ist – und damit auch für uns Menschen wertvoll bleibt.“ Ein Vorhaben, das gerade in der sehr ebenen Region des Neusiedlersee DAC im Fokus steht, da hier Weingärten das Bild der Region wie kaum etwas anderes prägen.

Die Aufgabe der Winzer:innen reicht also längst über den Keller hinaus: Sie sind Landschaftsgärtner:innen, Biodiversitäts- und Klimaschützer:innen zugleich. Oder, wie Ehrenfeldner es treffend formuliert: „Mit jedem naturnah gepflegten Weingarten gestalten Winzer:innen nicht nur den Geschmack ihrer Weine – sondern auch die Zukunft unserer Landschaft.“

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NEUSIEDLERSEE DAC.
Einzigartiger Zweigelt. Einzigartige Süßweine.
Von der Sonnenseite Österreichs. Zur Gaumenfreude aller.

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